Next Driver Experience
Kunde

Assistenzsysteme, Telematik-Dienste, Services und Apps bereichern den Fahrkomfort oder versprechen Sicherheit. Das Cockpit wird dadurch komplexer und die Informationsdichte nimmt zu. In demselben Maße steigt die Möglichkeit, als Fahrer überfordert zu sein oder relevante Informationen nicht zu verstehen. Zusammen mit dem Team der Daimler Forschung entwickeln wir ein Anzeigesystem, das den Anforderungen eines hochvernetzten und automatisierten Cockpit gerecht wird.

Der inhaltliche Knotenpunkt dieses Forschungsprojektes verbindet zwei Themenstränge: (1) Situative und kontextsensitive Informations- und Warnsysteme (2) Stauentwicklung bei voll automatisierter Fahrt. Beide Themen befassen sich mit Telematik-Diensten der nächsten Generation. Hinzu kommem schon bestehende Interfaces im Cockpit. Für den Fahrer kristallisiert der Nodus in einer hohen Visualisierungsdichte: Wie kann all diese Information im Cockpit dargestellt werden – und zeitgleich eine positive User Experience beim Fahrer entstehen?

„Wie Sie sich leicht vorstellen können, muss in einer Großstadt wie Shanghai ein Fahrer erheblich mehr Informationen in kurzer Abfolge verarbeiten, als auf einer nicht endenden Landstraße in Süddeutschland.“

Fahrten innerorts, außerorts, auf der Autobahn oder bei der Parkplatzsuche stellen völlig andere Ansprüche an den Fahrer und das Fahrzeug. Die Anforderungen wechseln somit je nach Nutzungskontext. Unsere Lösungshypothese für den Nodus: Informationen müssen abhängig von der Fahrsituation unterschiedlich dargestellt werden, damit der Fahrer entlastet wird. Das Fahrzeug muss die aktuelle Situation erkennen, auswerten und die relevanten Informationen im Cockpit entsprechend der Gegebenheiten bereitstellen.

Gemeinsam mit dem Daimler-Forschungsteam haben wir uns zwei Fragen zur Problemlösung gestellt:

  • Lassen sich alle relevanten Telematik-Daten und Fahrzeuginformationen automatisiert filtern und im passenden Moment darstellen?
  • Ist die Kommunikation über den visuellen Kanal die einzig wichtige Informationsquelle im Fahrzeug oder gibt es weitere Sinne, die den Fahrer dabei unterstützen, die aktuelle Situation besser einschätzen zu können?
  • Visuelles und auditives Responsive Design im Fahrzeug

    Steht ein Fahrer im Stau oder fährt langsam im Stop & Go Modus, so steht das Infotainment und die Kommunikation mit Menschen im Fokus. Die aktuellen fahrzeugbezogenen Informationen, wie Geschwindigkeit oder Drehzahl sind weniger relevant. Um einen Fokuswechsel, passend zur aktuellen Fahrsituation zu ermöglichen, besitzt jede Komponente des User Interfaces im Cockpit mehrere visuelle Zustände – von einer reduzierten, minimalistischen bis hin zu einer voll ausgeprägten Ansicht.

    Unsere Konzept für die Darstellung von Telematik-Daten basiert auf dem Wunsch des Fahrers, die Situationen auf einer Route im vollen Umfang vorausschauend erahnen zu können, um sich auf die zu fahrende Strecke vorzubereiten. Je nach Situation soll der „Telematik-Assistent” unterstützende Informationen im Detail visualisieren. Die Datenvisualisierung bedient sich der Analogie eines segmentierten 3D-Zylinders.

    Ergänzend zur visuellen Wahrnehmung, wird der Fahrer durch eine räumliche, auditive Verortung von Informations- und Warnmeldungen im Fahrzeuginnenraum unterstützt. Die konzeptionelle Grundlage bietet dabei das Soundsystem, das ohnehin bereits in Fahrzeugen verbaut wird. Durch die Nutzung von “Ambisonic Panning“ erhält der Fahrer einen räumlichen Eindruck, als käme ein Ton aus einer definierten Richtung. Der Fahrer nimmt somit die präzise Richtung eines Signals wahr oder den geografischen Ort eines Ereignisses.

    „Nähert sich das Auto einer Gefahr, nähert sich im Fahrzeuginnenraum auch das Warnsignal dem Fahrer.“

    Prototyping

    Mit acht handelsüblichen Audioboxen, einer externen Soundkarte und einer Standard Medienausrüstung konnten wir innerhalb kurzer Zeit einen interaktiven Fahrsimulator entwickeln. Während dem Projekt konnten wir Ideen mit dem Prototypen simulieren, testen und die Erkenntnisse in die kommende Iteration des Projektes einfließen lassen. Durch das sehr schnelle Wechselspiel von Design-Thinking und Prototyping konnten wir innerhalb der Projektlaufzeit von 2 Monaten und Iterationen im Wochenrhythmus unsere Arbeitsergebnisse schnell optimieren. Diese Methodik ermöglichte eine schnelle und weitreichende Bewegung weg von abstrakten Überlegungen hinzu einer konkreten und erfahrbaren Lösung.

    „Ein adaptives User Interface zu gestalten, bedeutet die Nutzung eines Produktes oder Services selbst zu erleben, um das Erlebnis kritisch zu reflektieren, um dann die positive User Experience weiter voran zu treiben.“

    Die Erkenntnisse aus diesem Projekt haben uns positiv überrascht:

  • Es ist möglich, ein User Interface für die Zukunft zu gestalten, das ein Füllhorn an Informationen organisieren kann und diese bei Bedarf automatisiert darstellt.
  • Das responsive bzw. adaptive User Interface wird in Zukunft eine zentrale Rolle spielen, wenn es darum geht halbautonomes, autonomes und energiesparendes Fahren zu ermöglichen.
  • Mehr zu Urbanität & Mobilität der Zukunft:

  • “From pull to push: Why Apple Carplay and Android Auto drive automotive User Experience to a new level“
  • „Über Design, Mobilität und Komplexität“
  • “Rapid Prototyping für Daimler Research“
  • Case Studies