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Portrait von Ludwig Rensch
Ludwig Rensch

28.04.2020

Lost in Transformation

Während die Digitalisierung unsere Art zu Leben verändert, ändern wir unsere Vorstellungen davon was wünschenswert, sinnvoll und richtig ist. Rein kundenzentriertes Denken wirkt auf einmal narzisstisch. Produkte, Ideen und Konzepte, die dem Zeitgeist entsprechen, müssen gesamtheitlich gedacht sein und damit gut für den Einzelnen, die Gesellschaft und den Planeten sein.
„A return to normal is just not going to happen.”
Jack Thackara in 'How to thrive in the next economy'

Das gesellschaftliche Bewusstsein hat sich also verändert und es gibt kein Zurück. Die vernetzte Welt schuf eine neue Form des Selbstbezugs und eine neue Verortung des Individuums in der aufgeklärten Gesellschaft – Individuen, die sich nach immer mehr Selbstbestimmtheit sehnen, nach einem reinen Gewissen, Gesundheit, Freiheit und Zeit. Ich möchte, dass sich diese Werte auch in den Dingen, die uns umgeben manifestieren.

„Technology is neither good nor bad; nor is it neutral.”
Melvin Kranzbergs First law of technology

Einstweilen ist die Stimmung mäßig. Zwischen dem Glauben, dass mit künstlicher Intelligenz wirklich alles möglich ist und einem kritischen Raunen, das der Begriff in der Mitte der Gesellschaft auslöst, liegt die Herausforderung: Wenn wir die Möglichkeiten moderner Technologien nutzen wollen, müssen wir auch die dringlichen Fragen ethischer und ökologischer Natur beantworten.

Waren das Internet der Dinge und Ubiquitous Computing vor ein paar Jahren noch ein konzeptioneller Spielplatz auf dem wir uns austobten, haben wir mittlerweile einen Vorgeschmack davon, wie sich die smarte neue Welt anfühlt. Die vielen aufeinanderfolgenden Innovationswellen und ein regelrechter Transformation-Hype haben die smarte Produktwelt so kompliziert gemacht, dass nun wiederum ein Bedürfnis nach Einfachheit und Ruhe in der Gesellschaft – wie in den Produkten – gefordert wird.

  • Digital Well-Being, Slow Culture und Achtsamkeit als Reaktion auf die permanenten Reizüberflutung und der medialen Erregungskultur.
  • Trust Technology, um das Vertrauen wieder aufzubauen, dass durch den Hunger der Datenkraken in kürzester Zeit verspielt wurde.
  • Green Tech und Postwachstumsökonomie, da sehr viele Menschen über das eigene Konsumverhalten erschrocken sind und eine größere Unabhängigkeit vom wirtschaftlichen Wachstum wünschenswert erscheint.

Es stellt sich ein Bewusstsein ein, dass man Arbeit, Kultur, Soziales, Konsum und Nachhaltigkeit nicht separat betrachten kann: alles ist in einer langen Wirkungskette miteinander verbunden, selbst wenn man die genauen Zusammenhänge nicht mehr identifizieren kann. Was für den Einzelnen gut ist, ist vielleicht nicht gut für alle. Im Zuge dieses Umdenkens müssen wir den Begriff des User-centered Design erweitern. Neue Bedürfnisse wie Nachhaltigkeit und Fairness müssen in den Begriff integriert werden. Wir dürfen Nachhaltigkeit und Fairness nicht als Gegenpole zum User-centered Design verstehen. So wird aus User-centered Design allmählich Life-centered Design.

„Ecological initiatives will only prosper in the real world if they work as viable economic models. And business models based on wearing down our natural resources are not viable models for long term growth.”
Bjarke Ingels, Yes Is More

Wie der dänische Architekt Bjarke Ingels in seinem Buch „Yes Is More“ bemerkt, sind langfristig nur die Produkte und Dienstleistungen in der Lage sich durchzusetzen, die sowohl nachhaltig aber auch wirtschaftlich gedacht werden. Um uns den Herausforderungen unserer Zeit zu stellen, braucht es also eine multi-perspektivische Herangehensweise, die das Denken in Zusammenhängen kultiviert.

Die Digitalisierung ist ein Ergebnis der Erfindungsgabe des Menschen und seiner Fähigkeit die Welt um ihn herum zu durchdringen, zu abstrahieren und daraus Neues zu synthetisieren. Um uns in der geschaffenen Komplexität unserer Welt nicht zu verlieren, nutzen wir unseren Werte-Kompass für das Wünschenswerte und das Sinnvolle und gehen damit auf Exploration.

Wir schaffen Werkzeuge, die Menschen befähigen eine Welt zu gestalten, in der wir leben möchten. So verlieren wir uns nicht in der Transformation, bleiben handlungsfähig und gestalten sie aktiv.

„To make the world work for 100% of humanity in the shortest possible time through spontaneous cooperation without ecological offense or the disadvantage of anyone.”
R. Buckminster Fuller