Leuchttürme für das Internet der Energie: EnBW Smart Energy
Kunde

Zusammen mit dem Digitalbereich der EnBW entwickelt Intuity neue Geschäftsmodelle und Produktkonzepte für die digitale Energiezukunft.
Mit dem Leuchtturm-Projekt Smart Energy haben wir ein Online-Tool geschaffen, welches Unternehmen hilft, ihren Strombedarf zu analysieren und Energie direkt an der Leipziger Strombörse (EEX) einzukaufen. So hilft EnBW seinen Kunden, aktiv zur Energiewende beizutragen und ihr Energiemanagement ökonomisch und ökologisch selbst zu optimieren.

Seit der Liberalisierung der europäischen Strommärkte Ende der neunziger Jahre wird Strom an der Leipziger Energiebörse gehandelt. In einem zweiseitigen Auktionsverfahren können Anbieter und Abnehmer von Strom Preisgebote abgeben und damit minutengenau auf aktuelle metrologische, aber auch politische und bedarfsorientierte Umstände reagieren. Dieses Verfahren führt zu einem Strompreis, der sich alle 15 Minuten ändert.

Schwankendes Wetter, schwankende Energieerzeugung

Stromproduktion aus Wind- und Solar flutet den Markt mit billiger Energie. Wie stark jedoch der Wind bläst und wieviel Stunden die Sonne scheint, lässt sich nicht aktiv steuern und trotz detaillierter Wetterprognosen oft nicht präzise vorhersagen. Die Stromproduktion schwankt daher abhängig vom Wetter – und damit auch die jeweiligen Energiepreise, da sich die Wetterlage und die daraus ergebende Stromproduktion aus Wind und Sonne unabhängig von der Nachfrage entwickelt.

Bei unvorhergesehen viel Sonnenschein und Wind kann es sogar zur Überproduktion von elektrischer Energie kommen. Dann wird der Energiepreis negativ und Stromproduzenten müssen für die Abnahme bezahlen. Die überschüssige Energie einfach ungenutzt zu lassen, ist nach dem deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetz nicht zulässig. An einem Tag im Mai 2016 führte dies zu extremen Preisen von bis zu -150 €/MWh, verglichen mit einem üblichen Preisniveau um die 30 €/MWh.

Neue, digitale Stromprodukte

Klassischerweise werden Energieverträge mit Geschäftskunden in Form von fixen Tarifen vereinbart – wie auch im Privatkundengeschäft üblich. Daran hat auch die Liberalisierung der Märkte und der volatile Strompreis nichts geändert. Das Risiko der schwankenden Strompreise wird einfach in die jeweiligen Tarife eingepreist. Zudem verhindert der fixe Preis, dass Unternehmen ihren Verbrauch an klimafreundliche Energieproduktion anpassen.
EnBW geht nun mit Smart Energy neue Wege: Kunden können Strom direkt zu den jeweils aktuellen Spotmarktpreisen beziehen und ihre Strombeschaffung und ihren Verbrauch dynamisch selbst gestalten.

EnBW und Intuity haben gemeinsam eine Cloud-Anwendung entwickelt, welche Geschäftskunden die richtigen Werkzeuge an die Hand gibt, um ihren Stromeinkauf und das damit verbundene Risikomanagement selbst optimieren zu können.

Smart Energy unterscheidet sich in drei wesentlichen Punkten von üblichen Angeboten für Geschäftskunden:

  • Der Kunde bezahlt immer den aktuell günstigsten Strompreis der Leipziger Strombörse. Das Preisrisiko ist nicht mehr Teil eines fixen Strompreises. Das Risiko liegt jetzt zwar beim Kunden selbst, dafür kann er den Strom aber zu besseren Konditionen beziehen und das Risiko nach eigenen Vorstellungen optimieren. Mit Smart Energy können Kunden sogenannte Terminmarktprodukte zeit- und volumengenau beziehen und damit das Preisrisiko hedgen.
  • Die Festsetzung des Strompreises an der Leipziger Strombörse erfolgt über ein öffentliches Auktionsverfahren. EnBW gibt diesen Preis direkt an die Kunden weiter – transparent und nachvollziehbar. Mit Smart Energy kann der Kunde die Preisentwicklung minutengenau einsehen und überwachen.
  • Üblicherweise folgen die Preise am an der Strombörse einem vorhersehbaren Trend, welcher jahreszeitliche, wochentagsabhängige und tageszeitabhängige Komponenten beinhaltet. Mit Smart Energy haben Kunden die Möglichkeit, ihre elektrischen Lasten diesen Preisschwankungen anzupassen und damit nicht nur Kosten zu sparen, sondern auch aktiv zur Energiewende beizutragen.

Das richtige Werkzeug für Strommanagement

Smart Energy wurde für ein breites Kundenspektrum konzipiert – von Konzernen mit eigens angestellten Energieexperten bis hin zu mittelständischen und kleinen Unternehmen ohne Erfahrung im Bereich Energiemanagement. Für eine verständliche Kommunikation und einfache Bedienung der teilweise komplexen Sachverhalte und Funktionen von Smart Energy war eine stringente, inhaltliche Konzeptionierung sowie ein simples und zugleich adaptives Darstellungskonzept von großer Bedeutung.

Wir begannen damit, Bestandskunden und deren Unternehmensumfeld vor Ort kennenzulernen und zu befragen. Welche Herausforderungen, Vorstellungen und Wünsche haben die Kunden? Auf Basis der Recherche und den gewonnen Erkenntnissen wurde die Informationsarchitektur mit einem Fokus auf Verständlichkeit und größtem Mehrwert neu strukturiert.

Verbrauch, Preis und Kosten

Ein grundlegender Aspekt des neuen Produktkonzepts ist die inhaltliche Fokussierung auf drei Kerninformationen: Der Verbrauch – die vom Nutzer verbrauchte Strommenge; der Preis – der jeweilige Spotmarktpreis an der EEX; und die Kosten – die sich aus Verbrauch und Preis ergebenden Kosten. Diese drei Größen lassen sich jeweils sowohl für einen bestimmten Zeitpunkt als auch über einen bestimmten Zeitraum ablesen und beantworten drei essentielle Fragen:

  • Wieviel Strom hat das Unternehmen verbraucht?
  • Wie hoch war der durchschnittliche Spotmarktpreis?
  • Was sind die sich daraus ergebenden Kosten?

Das Team entwickelte eine durchgängig verständliche Nomenklatur. So konnten komplexe Sachverhalte, wie beispielsweise die Zusammensetzung des Strompreises, einfach erklärt werden und neuen Kunden der thematische Einstieg in die Begrifflichkeiten erleichtert werden.

Eine neue Referenz

Im Zentrum des entwickelten Darstellungskonzepts von Smart Energy steht ein visuelles Element: Ein Datengraph mit einer interaktiven Zeitleiste. Diese Datengrafik bildet den Raum für alle wichtigen Informationen und Funktionen und das Fundament für das gesamte User Interface.
Die Zeitleiste lässt sich dabei dynamisch und intuitiv skalieren und verschieben. Der Nutzer kann intuitiv und schnell von einer Gesamt-Jahresansicht zu einer minutengenauen Tagesansicht wechseln und innerhalb des gewählten Intervalls zeitlich vor- und zurückspringen.

”Wir waren begeistert, wie das neue Produktkonzept die Verständlichkeit und Bedienung von Smart Energy verbessert hat.”

— Insa Wager, Produktmanagerin Smart Energy, EnBW

Um schnell am Markt zu sein, haben wir alle Funktionalitäten nach verschiedenen Kriterien wie Kundennutzen und Entwicklungsaufwand bewertet und priorisiert. Zusammen mit dem Entwicklerteam wurde eine dreistufige Entwicklungs-Roadmap erarbeitet, mit der das Tool frühzeitig veröffentlicht werden konnte und in einem dynamischen Umfeld schnell neue Kunden gewinnen konnte.

Innerhalb eines agilen Entwicklungsprozesses kamen dann kontinuierlich weitere Funktionalitäten hinzu. Dadurch ist das Produkt innerhalb der vergangenen zwei Jahre zur Klassenreferenz erwachsen.

Case Studies