Leuchttürme für das Internet der Energie: EnBW solar+
Kunde

Zusammen mit dem Digitalbereich der EnBW entwickelt Intuity neue Geschäftsmodelle und Produktkonzepte für die digitale Energiezukunft.
Im Rahmen des Leuchtturmprojekts solar+ wurde ein erstes Produkt zur Solarstromerzeugung im privaten Bereich geschaffen. Innerhalb kürzester Zeit erarbeitete das Team ein vernetztes Produktsystem, welches die Menschen bereits heute aktiv an der Energiewende teilhaben lässt und die Basis für zukünftige Entwicklungen und Funktionen für morgen darstellt. Über verteilte und vernetzte PV-Anlagen und Energiespeicher entstehen so energieoptimierte Gemeinschaften.

Die Energiebranche steht heute vor weitreichenden Veränderungen. Die internationale Staatengemeinschaft hat sich im Pariser Abkommen geeinigt, die Erdwärmung auf 2°C zu begrenzen. Für Deutschland bedeutet das, den CO2-Ausstoß auf ein Fünftel zu reduzieren. Gleichzeitig trägmt der Ausstieg aus der Atomenergie zum Veränderungsdruck auf die Energiekonzerne bei.

Die Führung der EnBW hat erkannt, dass die Bewältigung dieser Herausforderungen ein grundlegendes Umdenken erfordert und neue Geschäftsmodelle notwendig sind. Die Digitalisierung bietet hierfür die passenden Prozesse zur Organisationsentwicklung und die richtigen Werkzeuge für neue Lösungen.

Ein neu gegründeter Digitalbereich der EnBW und Intuity haben es sich zur Aufgabe gemacht, erste funktionierende Leuchttürme für diesen Veränderungsprozess zu realisieren. Intuity ist stolz, EnBW in drei von vier digitalen Leuchtturm-Projekten zu begleiten und gemeinsam mit dem Team den Grundstein für innovative, neue Produktentwicklung im Unternehmen zu legen.

Drei Blickwinkel: Haus, Community und Strommarkt

Mit solar+ haben EnBW und Intuity ein modernes Solarprodukt mit digitalem Kundenerlebnis entwickelt. Um ein klar verständliches und einfaches Produkt zu schaffen, erarbeitete das Team zu Beginn des Projekts ein inhaltliches und konzeptionelles Framework, das die Basis aller weiteren inhaltlichen und gestalterischen Entscheidungen darstellte.

Entstanden sind drei Blickwinkel, in welche sich die verschiedenen Produktbestandteile später eingliedern lassen: Die Solaranlage im Haus, eine Community aller solar+ Kunden und eine Partizipation am Energiemarkt. Gleichzeitig reflektieren diese drei Perspektiven die Sichtweise des Kunden auf das Produkt.

  • „Mein Haus“ umfasst die Bestandteile der eigenen Solaranlage und die Auswertung der Energieströme. Die Hardware besteht aus einer PV-Anlage und einem Energiespeicher. Kunden können über die solar+ App den aktuellen Zustand der Anlage beobachten und mittels Statistiken erfahren, wie genau ihre Solaranlage gearbeitet hat. Zukünftig ist die hier Aufrüstung von Hardware und die Verbindung zum eigenen Elektroauto aus der App heraus vorbereitet.
  • „Meine Community“ ermöglicht die Interaktion zwischen allen solar+ Kunden. Dabei ist es zu Produktstart möglich, die eigene überschüssige Energie mit der Community zu teilen. In Zukunft können sich einzelne Kunden auch direkt untereinander verbinden und Eltern können so beispielsweise die Studentenwohnung ihrer Kindern mit Strom versorgen.
  • „Mein Strommarkt“ verknüpft den Privatkunden mit dem Geschehen an der Leipziger Strombörse. EnBW gehört zu den drei großen Energieversorgern in Deutschland und ist wichtiger Akteur am europäischen Strommarkt. Uns war es wichtig, den sich hieraus ergebenden Wettbewerbsvorteil in Vorteile für die solar+ Kunden zu übersetzen. Kunden erhalten bei negativen Strompreisen an der Energiebörse eine kostenlose Aufladung ihres Energiespeichers. Damit ist solar+ das erste Produkt welches einen direkten Vorteil von negativen Strompreisen für Endkunden entwickelt hat.

Eine klare Produktvision

Auch während der Entwicklungsphase des Projekts war das Framework mit Haus, Community und Strommarkt hilfreich. Ideen und Vorstellungen aller Projektteilnehmer konnten so aufgenommen und strukturiert werden. So wurde alles im größeren Produktkontext eingeordnet und destruktive Konkurrenz mit anderen Ideen vermieden. Bei allen Beteiligten entstand die gleiche mentale Landkarte.

Durch unsere Strukturierung fanden hinzukommende Teammitglieder im Projekt darüber hinaus schnell den thematischen Einstieg. Eine klare gemeinsame Produktvision auch war vor dem Hintergrund des schnell wachsenden Digitalbereichs bei EnBW eine große Hilfe. Mehr als fünfzig EnBW-Kollegen waren an der Genesis des ersten digitalen EnBW Stromprodukts beteiligt und können diese Erfahrungen heute im Konzern weitergeben.

Die Kilowattstunde im Kontext

Ein wichtiger Bestandteils des Produktkonzepts von solar+ war der spielerische Umgang mit den technisch geprägten Themen rund um Photovoltaik und Speichertechnologien. Gerade die mit der Stromerzeugung verbundenen physikalischen Größen wie die Kilowattstunde wollte das Team auf interessante Art und Weise für die Kunden erlebbar machen.

Enstanden ist eine Reihe von Achievements, die die Kunden durch die Nutzung von solar+ erreichen können. Die Stromproduktion der Anlage wird in der solar+ App in Form einer Statistik angezeigt. Um die Zahlen aber zusätzlich auch greifbar zu machen, werden die produzierten Strommengen in einen allgemeineren Kontext gesetzt:

  • Durch die Solaranlage erzeugte Kilowattstunden werden mit Phänomenen aus Wissenschaft und Technik verglichen — 124 kWh entsprechen beispielsweise der Energie, welche die ISS während einer Umrundung der Erde verbraucht.
  • Energiemengen, welche mit der Community ausgetauscht wurden, werden in einen humorvollen Kontext gestellt — 23 kWh entsprechen der Energiemenge, welche ein Sumoringer täglich zu sich nimmt.
  • Die Summe der kostenlosen Speicherladungen wird mit dem Stromverbrauch von Alltagssituationen verglichen — 190 kWh sind nötig um mit einem Elektrofahrzeug von Stuttgart nach Rom zu fahren.

Alle energetischen Vergleiche erscheinen in Form von Achievements, welche die Kunden dann in der App sammeln und teilen können.

Ausblick

Wohin steuert eine fortschreitende Dezentralisierung in der Energiewelt?

Die Energiewende in Deutschland und die damit einhergehende Dezentralisierung der Energieerzeugung erfordert auch eine Dezentralisierung unserer Energienetze. Hierbei ergibt sich in der Transformation der Energieunternehmen die Herausforderung, neue Geschäftsfelder zu erschließen, welche diese beiden Dezentralisierungen als Chance begreifen.

Technisch betrachtet wird es interessant zu beobachten sein, wie ein intelligenter Netzausbau und dezentrale Optimierungen hinter dem Ortsnetztrafo zukünftig miteinander konkurrieren. Die Bedeutung von kleinen dezentralen Energiespeichern wird weiter steigen und die Zukunft wird zeigen, wie sich dies sinnvoll mit den Chancen und Herausforderungen der Elektromobilität – beispielsweise in Form von mobilen Energiespeichern – kombinieren lässt.

Welche Berührungspunkte ergeben sich mit aktuellen technologischen Entwicklungen?

Bei Intuity sind wir es gewohnt, aus der Kundenperspektive zu denken und diese mit aktuellen technologischen Entwicklungen zu verknüpfen. Im Bereich PV-Anlagen und Energiespeicher ist es sicherlich interessant neue Kundensegmente zu erschließen.

Die Bundesregierung hat hierzu letztes Jahr mit dem Mieterstromgesetz den Weg geebnet. Solaranlagen sind fortan nicht nur ein Thema für Besitzer von Einfamilienhäusern, auch gemeinsam genutzte Anlagen in Doppelhaushalten und Miethäusern eröffnen neue Marktsegmente. Es besteht eine Verbindung zur “shared economy”, wie wir sie aus dem Mobilitätssektor kennen – mehrere Eigentümer teilen sich eine gemeinsam erworbene Hardware. Basis solcher Entwicklungen ist ein gemeinsames Vertrauen unter den Eigentümern. Blockchain-Technologie erlaubt hier Lösungen technisch so zu konzipieren, dass Vertrauen zwischen den Parteien auch ohne den klassischen Intermediär aufgebaut werden kann.

Was bedeuten solche Konzepte für das Geschäftsmodell der Intermediäre?

Der Einsatz von Blockchain-Technologie zielt langfristig darauf ab, Vertrauen als Dienstleistung eines Intermediärs technologisch aufzulösen, indem dieses Vertrauen in algorithmischer Form sichergestellt, quasi direkt ins System programmiert wird.

Das heißt aber nicht, dass an dieser Stelle keine Aufgaben für die klassischen Energieversorger mehr bleiben. Solche Systeme müssen mit energiewirtschaftlichen Kenntnissen konzipiert und entwickelt werden — nur so können Kunden sinnvoll davon profitieren. Außerdem spricht nichts dagegen, dass Energieversorger auch selbst Teil eines durch Blockchain vermittelten Systems werden, um beispielsweise Großkraftwerke mit vielen Anteilseignern zu verwalten.

Welche Vorteile können Energieversorger für sich nutzen?

Durch einen fortschreitenden Einsatz digitaler Technologien entstehen neue Geschäftsmodelle. Ein Beispiel ist hier die intelligente Datenauswertung. Gezieltes Sammeln von Daten, kuratierte Aufbereitung und algorithmische Auswertung erlauben es, individuelle Kundenangebote zu erstellen — auch in der Solarbranche.

Ein sorgfältiger Umgang mit Daten ist dabei essentiell, um nicht das Vertrauen der Kunden zu verlieren. Aktuelle technologische Entwicklungen sind hier Themen wie Asymmetric Encryption und Differential Privacy.

Case Studies