Individualisierung statt Breitband

„Die Medizin sollte nicht nur dem Leben Jahre geben, sondern auch den Jahren Leben.” - Georg Christoph Lichtenberg

Jahrzehntelang erschien medizinischer Fortschritt in Form monolithischer Apparate, die den Trend zur Spezialisierung und Zentralisierung beschleunigten. Diese Entwicklung verliert an Dynamik. Im Gegensatz dazu, gewinnen vernetzte und kostengünstige Technologien zur Diagnose und Therapie.

Einfache, vernetzte Lösungen bieten kosteneffiziente und transparente Wege den Gesundheitszustand besser einzuschätzen, zu kontrollieren und gegebenenfalls zu therapieren. Das bringt eine bessere Lebensqualität für die Meisten Menschen mit sich.

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Konvergenz der Geschäftsmodelle

Aktuelle Medizingeräte im Bereich der Augenheilkunde – als konkretes Beispiel – können heute bereits mit Datenbanken vernetzt werden. Dazu gehören Geräte zur subjektiven und objektiven Refraktion (Autorefraktor, Wellenfrontmessgerät, Scheitelbrechwertmesser), zur Augeninnendruckmessung, und zur Spaltlampenuntersuchung. Alle Geräte verfügen über eine serielle Schnittstelle zur Integration in ein EMR- und EHR-System, also eine elektronische Patientenakte beziehungsweise ein Patientenmanagementsystem eines Dienstleisters und eine übergreifende elektronische Patientenakte aller Dienstleister.

Durch die Vernetzung von Produkten und Systemen sowie die Integration von Daten aus unterschiedlichen Quellen wird es möglich, ein ganz neues Service-Ökosystem zu schaffen.
Nun können die persönlichen biometrischen und medizinischen Daten einfach und sicher von einem Nutzungskontext in den anderen überführt werden – beispielsweise vom Augenarzt zum Optiker.

Wir möchten an dieser Stelle nur ein paar denkbare Aspekte dieses Szenarios nennen:

  • Der Kunde kann bei Bedarf die durch den Optiker erhobenen Daten seinem Augenarzt oder einem Online-Store sicher zur Verfügung stellen. So müssen biometrische und medizinische Daten nicht doppelt erhoben werden. Das spart Zeit und Geld und schont das Budget der Krankenkassen.
  • Der Optiker erhält für seine wertvolle Arbeit und für die Weitergabe der Daten jeweils eine separate Entlohnung in Form von Micro-Payments – im Falle der Datennutzung: Von Augenärzten, Online-Stores, den Kunden und Krankenkassen.
  • Online-Stores können mit den biometrischen Daten Mass Customized Brillengestelle und Gläser anbieten. Die Gläser werden dann beispielsweise produziert, angepasst und versandt.
  • Die Medizingeräte sprechen untereinander und mit EMR-Systemen von unterschiedlichen Herstellern über eine Schnittstelle. Dadurch können die Geräte in die bestehende IT- und Medizingeräte-Infrastruktur von Optikern, Augenärzten und Kliniken integriert werden. Das fördert den Verkauf der Geräte, und ermöglicht ein nachgelagertes Upselling wie Wartung und Nachrüstung von Geräten.
  • Durch die Konnektivität wird eine Fernwartung der Geräte möglich und Mitarbeiter können „remote“ an Fortbildungen und Schulungen teilnehmen.
  • Durch anonym bereitgestellte biometrische und medizinische Daten können Produkte optimiert oder sogar neu entwickelt werden.
  • Weitere Lifestyle Medizin-Produkte können zur Gesundheitsförderung und therapeutischen Unterstützung entstehen. Ärzte verschreiben künftig Apps und weniger Medikamente.

Wirtschaften muss neu erdacht werden und sich in innovativen Angeboten konkretisieren. Strategisches Design ist mehr als nur eine ästhetische Fingerübung. Wer heute mutig handelt und neue Geschäftsmodelle, neue Dienstleistungen realisiert und getrieben durch die Digitalisierung die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen wahrnimmt, lässt die Konkurrenz hinter sich.

Mehr über Design Strategie: “A good design strategy can handle a moving goal.”

Sowohl beim VISUPLAN 500, als auch bei unserer Arbeit für die Sehtafel- und Phoropter-Steuerung und die Neugestaltung des iTerminals von ZEISS haben wir unsere 12 Grundsätzen zum Lean User-Experience-Design eingesetzt. Mehr dazu: “How to get it lean and more successful?”

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