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Graphbasierte KI
28.07.2026

Graphbasierte KI – Der Weg zu skalierbarer, zuverlässiger und robuster Data Science

In unserer neuen Reihe auf dem Blog stellt unsere Data Science Expertin Faezeh Fallah essenzielle Konzepte vor, die beim Einsatz künstlicher Intelligenz im Zentrum stehen sollten. Im ersten Teil der Reihe geht es um graphbasierte KI als Weg zu skalierbaren, zuverlässigen und robusten KI-Lösungen.
Portrait von Faezeh Fallah
Faezeh Fallah

KI-Agenten benötigen Gedächtnis, Kontext und Leitplanken (Guardrails), um automatisch domänenspezifische Empfehlungen oder Bewertungen zu generieren. Daten mit mehrdimensionalen Eigenschaften, die sich über räumliche und zeitliche Bereiche erstrecken, sind allgegenwärtig – von sozialen Netzwerken, Business Intelligence, industrieller Automatisierung, Fertigung und Smart Cities bis hin zu Gesundheitswesen und Luft- und Raumfahrt.

Um KI-Agenten mit Gedächtnis, Kontext und Leitplanken auszustatten, müssen diese multidimensionalen multidomänen Daten gespeichert werden, was hohe Speicherkosten verursacht. Die graphbasierte Datenmodellierung optimiert die Darstellung solcher Daten und ermöglicht so die Bereitstellung von Gedächtnis, Kontext und Leitplanken auf kosteneffizientere Weise. Zudem kann eine optimierte graphbasierte Modellierung den für KI-Modelle erforderlichen Umfang an Trainingsdaten reduzieren, was einen weiteren Kostenvorteil bietet. Hierzu überführt die graphbasierte Datenmodellierung scheinbar isolierte und unstrukturierte Daten in eine Form, die von Natur aus vernetzt und strukturiert ist. Diese Vernetzung basiert auf Beziehungen zwischen Dateneinheiten, die sowohl maschinell interpretierbar als auch für Menschen leicht verständlich sind.

Der Nutzen von Graphdatenbanken

Traditionell bildeten relationale Datenbanken Beziehungen zwischen Datenentitäten mithilfe tabellarischer Strukturen ab. Bei der Modellierung komplexer, verschachtelter Beziehungen stoßen diese Datenbanken jedoch an ihre Grenzen, da sie zahlreiche Tabellenverknüpfungen (Joins) erfordern.

Im Gegensatz dazu ermöglichen Graphdatenbanken eine schnelle und effiziente Modellierung von Daten beliebiger Komplexität und Dimensionalität, einschließlich Daten mit mehrstufigen Verbindungen und Modalitäten.

Suchvorgänge in Graphdatenbanken erfolgen mithilfe einer deklarativen Anfragesprache. Diese Sprache ist intuitiv und leicht verständlich; zugleich ermittelt sie den optimalen Suchpfad, wodurch Benutzeranfragen sehr schnell beantwortet und Analysen in Echtzeit gemacht werden.

Stärken graph-gestützter KI

Graphdatenbanken, ontologiebasierte Wissensgraphen (wie das Resource Description Framework und Labeled Property Graphs) sowie Graph-Neuronale Netze ermöglichen eine umfassende semantische, geometrische und topologische Datenmodellierung.

Dieses Modell stellt Daten mithilfe von Knoten (Dateneinheiten), Kanten (Beziehungen zwischen Dateneinheiten) und Eigenschaften (mehrdimensionale Merkmale von Knoten oder Kanten) dar.

Zudem kann jeder Knoten über ein oder mehrere semantische Labels verfügen. Jede Kante kann auch einen kategorialen Typ, eine Gewichtung (die den Abstand zwischen verbundenen Knoten repräsentiert) sowie eine oder zwei Richtungen aufweisen, welche eine kausale Beziehung oder funktionale Abhängigkeit zwischen den beiden Knoten an ihren Endpunkten anzeigen. Darüber hinaus ermöglicht die graphbasierte Datenmodellierung eine systematische Optimierung, eine dynamische und flexible Anpassung sowie eine intuitive Visualisierung der Datentopologie und -geometrie. Die Datentopologie wird durch die Kanten des Graphen und deren Richtungen abgebildet, während die Datengeometrie durch Knoteneigenschaften und -labels sowie Kantengewichte repräsentiert wird.

Graphbasierte Datenmodellierung bietet verschiedene mathematische Werkzeuge zur Datentransformation und zur Optimierung von KI-Algorithmen. Dazu gehören die Spektralgraphentheorie und die Methoden der linearen Algebra (wie Matrixoperationen). Diese Werkzeuge ermöglichen es, verborgene Strukturen und Muster in großen Datensätzen aufzudecken und so umfassende Leitplanken, Merkmale und kontextspezifische Informationen zu liefern.

Darüber hinaus reicht es bei der graphbasierten Datenmodellierung meist aus, kausale Beziehungen oder funktionale Abhängigkeiten lediglich innerhalb einer lokalen Nachbarschaft von Knoten zu berücksichtigen. Folglich muss anstelle des gesamten Graphen nur der relevante Teilgraph (Nachbarschaftssegment) verarbeitet werden. Dies ermöglicht eine massive Parallelisierung über Teilgraphen hinweg und somit eine beschleunigte Inferenz für KI-Agenten.

Zusammenfassend ermöglicht die graphbasierte Datenmodellierung in Verbindung mit KI-Agenten Folgendes:

  • Reduzierung von Halluzinationen und fehlerhaften Empfehlungen durch Plausibilitätsprüfungen auf der Basis aussagekräftiger, kontextbezogener Muster
  • Erhöhte Zuverlässigkeit durch die Einbindung von Vorschriften, Richtlinien und Prozessen in die Datenmodellierung
  • Nachhaltige Skalierbarkeit, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit an neue Daten, ohne das zugrundeliegende Wissensmanagementsystem neu aufbauen zu müssen
  • Verbesserte Transparenz und Erklärbarkeit durch die Bereitstellung eines visuellen und verständlichen Datenmodells
  • Anbindung an die Außenwelt über webbasierte Anwendungen, standardisierte Protokolle und natürliche Sprache, wodurch Robustheit, Erweiterbarkeit und Skalierbarkeit des Wissensmanagementsystems gewährleistet werden
  • Bereitstellung semantischer Such- und Analysefunktionen auf der Basis aggregierter, kontextbezogener Informationen aus vielfältigen Quellen anstelle einfacher Schlüsselwortabgleiche
  • Orchestrierung von KI-Agenten-Workflows sowie automatisierte Entwicklung von Prozessen, Softwarearchitekturen und Systemarchitekturen

Aufbau eines graphbasierten Wissenmanagementsystem

Graphen ermöglichen die optimierte Darstellung mehrdimensionaler, domänenübergreifender Daten aus unterschiedlichsten Quellen, Formaten, Typen und Modalitäten. Diese Optimierung begünstigt die Entwicklung eines umfassenden, dynamischen und zuverlässigen Wissensmanagementsystems. Dafür tragen Graphen nicht nur dazu bei, unnötige Komplexität zu vermeiden, sondern steigern auch die Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Robustheit des Wissensmanagementsystems, indem sie domänenspezifische objektive und subjektive Merkmale einbeziehen. Zu diesem Zweck integriert das Wissensmanagementsystem ereignisgesteuerte Sensordaten, relationale, nicht-relationale, vektorbasierte oder graphbasierte Datenbanken sowie interne oder externe Prozesse, Vorschriften und Richtlinien in sein Gesamtmodell. Dementsprechend erfordert die Implementierung eines solchen Wissensmanagementsystems robuste Pipelines und Plattformen. Diese übernehmen die Datenerfassung, -strukturierung, -vorverarbeitung und -anreicherung und decken zudem die Zieldefinition, die Kommunikation mit KI-Agenten, Nutzern und Datenquellen sowie die Evaluierung des Gesamtsystems ab.

Darüber hinaus werden die von der KI gezogenen Schlussfolgerungen durch die Nachvollziehbarkeit der zugrundeliegenden Suchpfade, Fakten und Zusammenhänge innerhalb der entsprechenden Graphen transparent gemacht, um Vertrauen und Erklärbarkeit zu fördern.

Aufbau eines Wissensgraphen oder eines Graph-Neuronalen-Netzwerks im Zusammenspiel mit KI-Agenten, Nutzern und Datenquellen

Die integrierten Prozesse können mithilfe von BPMN (Business Process Model and Notation), UML (Unified Modeling Language) oder SysML (Systems Modeling Language) als maschinenlesbare Arbeitsabläufe dokumentiert oder definiert werden.

Die Kommunikation zwischen dem Wissensmanagementsystem, KI-Agenten, externen Anwendungen und Benutzern kann durch standardisierte Protokolle wie das Model Context Protocol (MCP) und das Universal Commerce Protocol (UCP) unterstützt werden. Dies ermöglicht die Einbindung weiterer Tools und Datenquellen, einschließlich Agent-zu-Agent-Interaktionen (A2A) sowie der sicheren Identifizierung von Transaktionen.

Architektonische Möglichkeiten

Die wesentlichen architektonischen Ansätze der graphbasierten Datenmodellierung lassen sich wie folgt unterscheiden:

Ontologiebasierte Wissensgraphen, wie etwa das Resource Description Framework (RDF) oder Labeled Property Graphs (LPGs):

  • RDF basiert auf Standards und Sprachen des World Wide Web Consortium (W3C) und verknüpft Daten über Subjekt-Prädikat-Objekt-Tripel. Dies ermöglicht die Definition semantischer Klassen, Eigenschaften und Regeln sowie die Gewährleistung von Datenkonsistenz und regelbasierter Inferenz. Das Subjekt ist eine Ressource (ein Knoten) im Graphen, das Prädikat repräsentiert eine Kante (Beziehung) und das Objekt ist ein weiterer Knoten, eine semantische Bezeichnung oder ein Wert.
  • LPGs modellieren stark vernetzte Daten, die durch semantische Kategorien und mehrdimensionale Merkmale gekennzeichnet sind. In diesem Modell besitzen Knoten Bezeichnungen (Labels) und Eigenschaften, während Kanten Typen, Gewichte, Eigenschaften und Richtungen aufweisen.

Graph Neural Networks (GNNs) fungieren als analytische „Lerneinheit“, die simultan sowohl die Verbindungstopologie als auch die Datengeometrie (semantische Bezeichnungen, Gewichte sowie Eigenschaften von Knoten und Kanten) lernt und optimiert. Folglich extrahieren GNNs verborgene Muster und aussagekräftige Merkmale innerhalb eines selbst generierten Raums reduzierter Dimensionalität (Embeddings). Dieser Raum unterstützt Inferenzprozesse und verbessert die Vollständigkeit des Wissensmanagementsystems, indem er fehlende Kanten identifiziert oder Knoten anhand ihrer Nachbarschaften klassifiziert – selbst wenn das ontologische Schema unvollständig ist.

Anwendungsmöglichkeiten

  • Clustering oder Community-Erkennung durch Identifizierung von Knotengruppen, die untereinander stärker vernetzt sind als mit dem übrigen Graphen
  • Vorhersage diskreter oder kontinuierlicher Eigenschaften (z. B. Klassifikation oder Regression) für den gesamten Graphen oder einen Teilgraphen
  • Vorhersage von Verbindungen zwischen Knoten (Datenentitäten) auf der Grundlage der Ähnlichkeit ihrer mehrdimensionalen Merkmale
  • Verbesserung von Vorhersagen, Schätzungen und Analysen durch Large Language Models (LLMs) mittels Bereitstellung von Kontext und Leitplanken durch graphbasierte Retrieval-Augmented Generation (GraphRAG) sowie Optimierung der Datenmodellierung zur Steigerung der Speichereffizienz
  • Visualisierung und fachspezifische Darstellung komplexer, vernetzter und mehrdimensionaler Daten aus unterschiedlichsten Quellen und Modalitäten – etwa bei der Routenplanung im Transportwesen oder der Kapazitätsoptimierung in Energienetzen

Graphbasierte Digital Twins

Die graphbasierte Datenmodellierung wertet digitale Zwillinge erheblich auf, indem sie komplexe, vernetzte Systeme – wie IT-Infrastrukturen, Lieferketten oder Produktionsanlagen – als Knoten (Objekte) und Kanten (Beziehungen) darstellt. Dies unterstützt skalierbare Systeme, tiefgehende Analysen und intelligente Automatisierung durch:

  • Die Abbildung und Erfassung komplexer Beziehungen, Verbindungen und Abhängigkeiten zwischen Akteuren, Sensoren und Prozessen.
  • Szenariobasierte, kontextbezogene und maßgeschneiderte Analyse dynamischer Zustände
  • Systemübergreifende Datenkonsistenz
  • Unterstützung von Simulationen und Prognosen einschließlich der kosteneffizienten Prüfung von „Was-wäre-wenn“-Szenarien, um Risiken frühzeitig zu erkennen und proaktive Entscheidungen zu treffen

Zu den gängigen Anwendungsfällen für digitale Zwillinge gehören:

  • Fertigung und Fabrikoptimierung: Simulation von Arbeitsabläufen sowie Änderungen an Fabriklayouts oder Lieferketten und Erstellung virtueller Abbilder von Produktionslinien zur Effizienzsteigerung, ohne den laufenden physischen Betrieb zu stören
  • Smart Cities: Modellierung ganzer städtischer Umgebungen zur Steuerung von Verkehrsströmen und Optimierung der Energieverteilung
  • Gesundheitswesen: Erstellung digitaler Organmodelle zur Vorhersage der individuellen Reaktion von Patienten auf Behandlungen.
  • Luft- und Raumfahrt sowie Automobilindustrie: Einsatz graphbasierter digitaler Zwillinge zur virtuellen Modellierung physikalischer, aerodynamischer und geometrischer Eigenschaften von Fahrzeugsystemen vor der Fertigung der eigentlichen Einheiten.

Haben Sie Herausforderungen, die nach graphbasierter KI rufen?