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Mobility Panel auf dem Festival der Zukunft
07.07.2026

Wer kontrolliert künftig unsere urbane Mobilität?

Diese Frage habe ich beim Festival der Zukunft auf der Dome Stage mit vier Menschen diskutiert, die es wissen müssen. Cansu Yapici (Team Lead Data-driven Transformation, Fraunhofer IAO), Dr. Wolfgang Gruel (HdM Stuttgart, MIT Media Lab), Rauno Fuchs (INYO Mobility), Lucie Kirstein (EIT Urban Mobility) und ich hatten 50 kurze Minuten im Dome des Deutschen Museums.
Portrait von Markus Turber
Markus Turber

Wir sprachen darüber, was passieren muss: geklärt, entschieden und implementiert. Keine der üblichen Technologie- und Antriebsdebatten, sondern darüber, wer die neuen Orchestrierungsschichten wie Brückenköpfe besetzt und definiert, was möglich wird und geschehen darf. Es sollte der Souverän sein, so viel vorab.

Wir wissen genug, um zielgerichtet zu handeln. Die Evidenz aus unzähligen Piloten und Studien liegt vor, und die Technologie ist da – autonomes Fahren, Datenplattformen, vernetzte Systeme. Die Frage ist, wer die neuen Orchestrierungsschichten besetzt – bei Daten, Plattformen und den Regeln der Stadt, dem „City Code“ – und damit definiert, was möglich wird, was geschehen darf, welches Angebot, welchen Zugang und welchen Preis es gibt. Dieser Machtkampf entscheidet sich nicht unter Fahrzeugherstellern, sondern auf dieser Ebene. Lösungsorientiert handeln bedeutet, wünschenswerte Mobilität dort zu definieren – von der physischen Infrastruktur bis zum Nutzen für den Menschen. Der Hebel liegt im systemischen Rahmen.

Wolfgang Gruel verwies auf die Realität der Stadt: Lässt man neue Modalitäten – autonome Taxis, Lieferungen, Hol- und Bringdienste und weitere Fahrzeugflotten, die heute im Labor als Ideen existieren – unreguliert laufen, würde sich der Verkehr vervielfachen und der Flächenverbrauch mit ihm. Das Paradox: Wenn jede:r das individuell Bequeme (Freedom of Choice) wählt, kippt das Ganze ins Dystopische. Die Grenze ist nicht die Technik, sondern der Raum. Wer das versteht, und danach handelt, macht aus der Bedrohung eine Chance auf lebenswerte Städte mit weniger Verkehr, besserer Nutzung und niedrigen Systemkosten – für alle.

In Jahrzehnten wurde in unzähligen Piloten geforscht und Erkenntnisse gesammelt. Die Lücke – vom geförderten Piloten zum tragfähigen Betrieb – schließt sich aber nicht. Deshalb war die Botschaft des Panels eine klare gemeinsame Forderung: raus aus der Exploration, rein in die Umsetzung! Bund, Länder und EU müssen den Willen und den Rahmen für Roll-out und Scale-up setzen, entlang von drei Hebeln:

  1. Rahmen: verbindliches Zielbild, Rechtsrahmen (Betriebserlaubnisse, offene Daten- und Schnittstellen-Standards), faire Bepreisung des knappen Raums.
  2. Sicherheit: Planungssicherheit über Legislaturperioden hinaus und eine klare Verteilung der Risiken: Betrieb, Restwert, Haftung. Kapital für neue Infrastruktur folgt Verlässlichkeit, nicht Appellen.
  3. Finanzierung: zuerst die auskömmliche Grundfinanzierung des heutigen ÖPNV, dann Investitions- und Erlösmodelle (Garantien statt reiner Zuschüsse), die große Investitionen finanzierbar – „bankable“ – machen.

Außerdem gilt es eine klare Richtung und Systemhoheit zu schaffen und Mikromanagement zu vermeiden. Zur Daseinsvorsorge muss nicht jeder Verkehrsverbund eine eigene Flotte kaufen – aber die Hoheit und Kontrolle über Daten, Schnittstellen und Betriebssoftware bedacht orchestrieren.

Impressionen Panel

Was das konkret bedeutet, brachten die vier Panelists mit klaren Forderungen auf den Punkt:

  • Städte müssen den öffentlichen Raum aktiv und fair ordnen. Shared Fleets mit klaren Regeln zu Vorrang und Zugang. Das Zeitfenster zum Gestalten ist offen. Wolfgang Gruel (HdM Stuttgart / MIT Media Lab)
  • Wir müssen die Automatisierung des ÖPNV priorisieren, statt auf Robotaxis zu warten. Europa kann das gestalten. Wir müssen diese Fähigkeit nutzen. Lucie Kirstein (EIT Urban Mobility)
  • Wir müssen Datenhoheit schnell öffentlich sichern. Autonome Mobilität ist Daseinsvorsorge, keine IT-Frage. Cansu Yapici (Fraunhofer IAO)
  • Öffentliche Betreiber müssen die Systemhoheit bewahren und garantieren. Das erfordert Beschaffungsprogramme und einen tragfähigen Rechtsrahmen, der Investitionen der öffentlichen Hand sichert. Rauno Fuchs (INYO Mobility)

Gute Infrastrukturen sind teuer, aber sie rechnen sich, weil sie Wohlstand nach sich ziehen. Das bequeme Argument, die wirtschaftlichen Spielräume seien dafür zu eng, zählt nicht: Wer jetzt wartet, macht sie erst wirklich eng und überlässt die Regeln unserer Mobilität anderen. Städte, Verkehrsverbände und Expert:innen wissen genug, um es besser zu machen! Sie brauchen einen Handlungsrahmen, um den nächsten Schritt, von der Exploration in die Umsetzung und in die Skalierung, zu gehen.

Danke an meine Panelists und unser Publikum, an Wolfgang Kerler, das 1E9-Team und das Deutsche Museum.

Fassen wir Mut und fangen wir an!

Impressionen Festival

Offenlegung: Wir bei Intuity entwickeln an exakt solchen Systemen. Wir arbeiten für lebenswerte Städte, mit guten Mobilitätslösungen. Deshalb dieser Appell – und deshalb die Einladung: Wer an souveränen Mobilitätssystemen arbeitet – Verkehrsverbünde, Betreiber, Startups, Länder und Kommunen – lass uns reden.