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Zurück zum BlogAnimation: Eine Personengruppe steht fragend am Strand einer Insel

Jan Barth

01.03.2019

Ja, wohin sprinten Sie denn?

Der Hype um agile Arbeitsprozesse ist abgeklungen und nahezu jedes Unternehmen arbeitet mittlerweile mit agilen Methoden. Man könnte also meinen, dass nur noch fantastische, allseits beliebte Produkte das Licht der Welt erblicken. User Stories entstehen am laufenden Band, Entwickler und Designer sprinten, Product-Owner setzen Prioritäten und Scrum-Master messen Fortschritte. Es läuft also alles wie geschmiert. Und trotzdem sehen wir immer noch Teams, die bei aller Methodik Schwierigkeiten haben, ein optimales Produkt zu entwickeln. Das hat aus unserer Erfahrung einen simplen Grund – Wir fragen unterwegs zu selten: Sprinten wir in die richtige Richtung?

Wie konnten wir nur das große Ganze aus den Augen verlieren?

Ein entscheidendes Phänomen ist dabei der übermäßige Einsatz von User Stories. Angesichts eines Backlogs, das bis zum Bersten mit ausgefeilten User Stories gefüllt ist, kann man leicht das große Ganze aus den Augen verlieren. Das gilt nicht nur für Entwickler, sondern auch für Product Owner und Designer.

Umkehren fällt schwer

Ein wichtiges Argument für die Einführung agiler Prozesse ist ja gerade, dass ein irrtümlich eingeschlagener Kurs schnell korrigiert werden kann. Es braucht nur einige neue User Stories und ein neu priorisiertes Backlog und schwupps: Schon ist der Kurs korrigiert. Die gelebte Praxis sieht erfahrungsgemäß anders aus. Denn die eigenen Kreationen zu schützen ist ein zutiefst menschliches Verhalten. Besonders dann, wenn bereits viel Energie und Ressourcen investiert wurden. Man kennt das Phänomen als Investitionsschutz.

„Jetzt haben wir schon drei Sprints in das Feature gesteckt! So einfach können wir das jetzt nicht mehr wegwerfen.”
Jeder Product Owner

Eine Vision als Wegweiser

Agil zu arbeiten sollte keine Entschuldigung dafür sein, ohne klare Vision unterwegs zu sein. Ganz im Gegenteil: ein agiler Prozess ist am effektivsten, wenn jeder im Team die folgenden Fragen klar beantworten kann: was, wie, für wen und vor allem warum? Gerade wenn man mit schneller Geschwindigkeit in verteilten Teams unterwegs ist, müssen alle das gemeinsame Ziel kennen.

Auskundschaften

Sieht man ein agiles Projekt als Expedition, so ist die Frage nach dem Wohin mit dem Auskundschaften unterschiedlicher Wege zu vergleichen. Bevor man die große Implementierungs-Mannschaft mit schwerem Gerät losschickt, um die Wege zu befestigen, lohnt es sich, eine leichtfüssige Kundschafter-Truppe als Vorhut auszusenden. Design und Design-Research bieten dabei effektive Werkzeuge, um die Frage nach dem Wohin zu beantworten. So schont man Kräfte auf der langwierigen Expedition.

Innerhalb der Kundschafter-Truppe dienen Designer als Katalysatoren, um Bedürfnisse der Nutzer zu identifizieren. Mit pragmatischen Prototypen lassen sich schnell unterschiedliche Lösungswege visualisieren und validieren. Mit dieser Vorarbeit der Kundschafter lässt sich das Implementierungs-Team mit mehr Gewissheit und Selbstvertrauen auf den Weg schicken.

Agile Experten mögen einwenden: „Genau dafür haben wir doch Spikes!“ In der Theorie schon. Allerdings werden solche Spikes aus unserer Erfahrung fast ausschließlich zu technologischen Recherchen genutzt. Vielleicht weil agile Methoden hauptsächlich von den Bedürfnissen der Entwicklung getrieben sind.

Kurz gesagt halten wir es für entscheidend, hin und wieder eine Pause einzulegen und zu fragen: Sind wir noch in die richtige Richtung unterwegs? Lösen wir die richtigen Probleme? Und zahlen wir auf die richtigen Unternehmensziele ein?

Gestaltet Eure agilen Prozesse bevor sie Euch gestalten!

Agile Methoden sind ein großartiges Werkzeug! Will man ein erstklassiges Produkt liefern, muss man wissen, woher man kommt und wohin es gehen soll. Ohne diese Einsicht steht man am Ende mit einem geplatzten Budget da. Oder noch schlimmer: mit einem Ergebnis, das so oft gefixt wurde, dass es sich nicht mehr nach einem stringenten Produkt anfühlt.

Auch agile Prozesse können gestaltet werden. Wir sind davon überzeugt, dass sie eine Struktur vorgeben, die an die DNA einer Unternehmung angepasst werden will.

Definieren Sie eine Vision. Senden Sie auf jeder Etappe Kundschafter voraus und bewerten Sie, ob die Richtung noch stimmt. Wiederholen Sie diese Schritte an entscheidenden Weg-Gabelungen und sie werden ganz natürlich zu einem nachhaltigeren Produkt geleitet. Vielleicht führt das auch zu einem vollkommen unerwartetem Ziel. Sie könnten etwas Bedeutsameres entdecken als Sie anfangs geglaubt hatten – einfach indem Sie sich die Zeit genommen haben, den richtigen Pfad zu finden.

Warum es an der Zeit ist Produkte auf den Markt zu bringen, die neue Werte schaffen, können Sie in dem Buch „New Meaning – Für einen realistischen Idealismus in einer programmierbaren Welt“ von Markus Turber und Hauke Behrendt nachlesen.